Gradierwerk Bad Orb

 


 

 

Das mit 155 Metern Länge, 12 Metern Breite und 18 Metern Höhe größte noch bestehende Gradierwerk Hessens steht im Kurpark von Bad Orb und ist das letzte von 10 Technikdenkmälern aus der Zeit der Salzgewinnung.

 

Gradierwerk Bad Orb


Das Bad Orber Wahrzeichen ist Bestandteil der ehemaligen Orber Saline und das derzeit besterhaltene doppelwandige Gradierwerk. Es wurde im Jahr 1806 errichtet und diente der Salzgewinnung. Über den sogenannten „Hahnenkasten“ mit seinen nahezu 400 Zapfhähnen aus Holz wurde in 13 m Höhe die Rohsole mit einem Salzgehalt von ca. 3% durch Reisigbündel geleitet. Diese bestanden aus den Zweigen des Schwarzdorns. Durch Wind und Sonne verdunstete dabei das Wasser auf natürliche Weise und erhöhte somit die Konzentration des Salzgehaltes in der Sole. Verunreinigungen der Sole, wie z.B. Kalk oder Gips, setzen sich im Reisig ab und bildeten den grau-braunen Dornstein. Der Verschleiß der Holzbauteile und der Aufbau des Dornsteins durch diese sogenannte Dorngradierung war so beträchtlich, dass die Standzeit der Konstruktion nur bei ca. 15 – 20 Jahre lag.

Aufbau Reisigwand Orber Gradierwerk Mittelgang
   

 

Im Laufe der letzten 10 Jahre wurde das Werk mit einem finanziellen Aufwand von 2,6 Millionen € saniert. In 4 Bauabschnitten wurden

 

  • die aus Bruchsteinen gemauerten Auflagensäulen erneuert.
  • alle Längs- und Quer- Lagerbalken erneuert.
  • die aus der Erbauungszeit von 1806 stammenden äußeren Eichen- Ständer unten gekürzt und ‚angeschuht’ .
  • alle zur Konstruktion des Gebäudes gehörigen Ständer, Längs- und Quer- Streben erneuert.
  • ein neuer Bohlenboden für die Soleauffangwanne eingezogen.
  • die Tragständer für die Dornwände erneuert.
  • die Zugbänder im Dach saniert.
  • die Konstruktion der Wanne und deren Abdichtung erneuert.
  • der in Osteuropa geschlagenen Schwarzdorn eingebaut.
  • die Laufstegen fertiggestellt

 

Insgesamt wurden 55 Kubikmeter Lärchenholz für die Konstruktion verbaut, sowie nochmals 50 Kubikmeter Fichtenholz für die Rundpfosten der Dornwand- Regale.

 

Heute wird das Gradierwerk zu Kurzwecken betrieben. Durch die herabrieselnde Sole wird die Luft in der Nähe des Werkes mit Salz angereichert. Die Wassertröpfchen binden Partikel in der Luft die sich, ähnlich wie bei der Seeluft, auf Pollenallergiker und Asthmatiker positiv auswirken. Durch das Einatmen salzhaltiger Luft werden die Atemwege befeuchtet und die Wandungen der Atemorgane positiv beeinflusst. Des Weiteren besitzen die feinen Salzkristalle eine sekretlösende Wirkung, die die Atemwege intensiv von Bakterien reinigen und die Schleimhäute abschwellen lassen.