Steinaus Warttürme

Im Mittelalter zählten die Warttürme zur historischen Befestigungsanlage der Stadt Steinau. Jede der vier Warten hatte Sichtkontakt zum Schloß Steinau. In gefahrvollen Zeiten wurden sowohl Wart- als auch Schlossturm besetzt, sodass im Ernstfall die Bevölkerung in der Stadt durch Flaggen-, Horn- oder Rauchsignale rechtzeitig vor der nahenden Gefahr gewarnt werden konnte.

 

Die Ohlwarte, nördlich von Steinau gelegen, gehört mit der südöstlich von Steinau gelegenen Bellinger Warte, der südlich gelegenen Seidenrother Warte und der westlich gelegenen Marborner Warte zu den außerhalb gelegenen vorgezogenen mittelalterlichen Befestigungsanlagen der Stadt Steinau an der Straße, welche aus der „Landwehr“ und den sogenannten „Schlägen“ (Durchlässe, Tore) bestanden und die Funktion eines Frühwarnsystems hatten. Die Ersterwähnung der Marborner Warte war im Jahr 1319.

 

Marborner Warte


Die vier Steinauer Warten dürften aber alle etwas das gleiche Alter haben und waren nach dem gleichen Muster gebaut. Ein Rundturm aus anliegendem Gestein mit etwa 2,40 m Durchmesser und 40 cm dickem Mauerwerk und einer Höhe von rund 8 m. Alle Warten besaßen Sichtkontakt untereinander und zum Turm des Steinauer Schlosses. Während die Warten nicht ständig besetzt waren, handelte es sich bei dem Bergfried des Schlosses um die Wohn- und Arbeitsstätte des Türmers (Wächters) der die Aufgabe hatte, die Einwohner vor Gefahren zu warnen.

 


Während die Bellinger Warte und die Seidenrother Warte durch die Neuerrichtung der beiden Türme bereits wieder begehbar sind, konnte der Turm der Ohlwarte noch nicht begehbar gemacht werden. Auch kann aus waldbaulichen Gründen die Sicht zum Schlossturm oder zu den anderen Warten nicht durch eine Schneise freigeschlagen werden, da diese in der vorherrschenden Hauptwindrichtung angelegt werden müsste und in der Folge mit erheblichen Sturmschäden an dem vorhandenen Waldbestand zu rechnen ist. Es ist jedoch beabsichtigt, die Sichtverbindung zum Schlossturm und den anderen Warten wieder herzustellen, sobald die Buchen Hiebsreife erlangt haben. Eine angelehnte Spindeltreppe soll im Anschluss den Turm begehbar machen.

 

Bellingser Warte bei Steinau an der Straße

 

 

Die Seidenrother Warte stand ursprünglich ca. 190 m nordöstlich vom jetzigen Standort in der Nähe der Stelle, die mit einem gelb-roten Mast gekennzeichnet ist. Im Laufe der Zeit wurde dieser Turm jedoch abgetragen.

 

Seidenrother Warte bei Steinau an der Straße

 

Im Rahmen der Neuanlage Steinauer Wartenwege im Jahre 2006 wurde der ehemalige Standort der Seidenrother Warte anhand alter Vermessungsunterlagen ermittelt und der Wiederaufbau geplant. Da ursprünglich Sichtkontakt zum Schlossturm und den anderen Warten bestand, zwischenzeitlich durch Aufforstung verschiedener Grundstücke mit Wald der Sichtkontakt aber nicht mehr gegeben war, entschloss sich die Stadt Steinau an der Straße, den Neubau des Turmes am heutigen Standort, unmittelbar am historischen Eselsweg, vorzunehmen.